A/A

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30.04.2021 – 05.06.2021


  

Andreas Greiner und Armin Keplinger zeigen mit "+/-" ihre zweite Einzelschau als Künstlerduo A/A in der Galerie KWADRAT.


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A/A (Andreas Greiner und Armin Keplinger) im KWADRAT

Text: Ursula Ströbele

In ihrer zweiten Einzelausstellung in der Berliner Galerie KWADRAT zeigt das Künstlerduo A/A, bestehend aus Andreas Greiner und Armin Keplinger eine Reihe von technikbasierten, teils plastischen Werken, die zwischen realem Raum und virtueller Welt oszillieren. Charakteristisch für die Kollaborationen der beiden Berliner Künstler, die jeweils auch unabhängig voneinander arbeiten, ist eine farbreduzierte und cleane Minimal-Tech-Ästhetik mit kinetisch-physikalischen Elementen – zusätzlich unterstrichen durch die meist abstrakten, formelhaften Titel. Dabei fokussieren sie mögliche Aggregatzustände und spezifisches Materialverhalten, wie flüssiges Metall (vgl. Ausstellung Golden Gates, KWADRAT Berlin, 2017), wolkenartige Pigmentpartikel (1:1), die sich Aerosolen ähnlich in der Luft ausbreiten, schwebendes Wasser (A/:::) oder auch virtuelle Rauschwaden (A/Brutforce).
Im Hauptraum der Galerie ist 1:1 zu sehen: Zwei (Paintball)Markierer sind auf einer Stahlstange montiert und mit ihren Geschossen spiegelbildlich aufeinander ausgerichtet. Im Abstand von 15 Minuten schießen sie gleichzeitig zwei mit weißem Pulver gefüllte Kugeln. Konzeptuell entstand die skulpturale Arbeit bereits 2013, unterlag seitdem einem längeren Optimierungs- und Präzisionsprozess und wird hier zum ersten Mal innerhalb einer Ausstellung präsentiert. Erst die exakte Gegenüberstellung verursacht eine Kollision; die beiden Kugeln treffen sich in der Mitte und explodieren durch den gesteuerten Aufprall, lösen sich in weiße pigmentartige Wolken auf. Die Künstler selbst verstehen diese Apparatur, die an eine Versuchsanordnung in einem Labor erinnert, als Zeitskulptur. Entgegen klassischer Objektästhetik zeichnet sich dieses weniger durch Stasis als durch ihren ephemeren Charakter und eine Plastizität aus, die kaum haptisch als vielmehr visuell und akustisch zu erfahren ist.
Basierend auf ihren vorherigen Virtual Reality-Arbeiten, die u.a. im KWADRAT (2017) zu erleben waren, werden die BetrachterInnen auch dieses Mal eingeladen, mittels einer VR-Brille in abstrakte, virtuelle Welten zu tauchen. A/Brutforce konfrontiert die User mit einer Wand aus schwarzen Rauchschwaden, die sich, anfangs noch entfernt und klein am Horizont, langsam in zyklischen Zeitintervallen konzentrisch auf sie zu bewegt und dann über ihre Köpfe hinwegzieht. Untermalt wird das immersive Moment durch dystopisch anmutende, elektronische Klänge. Dabei betont die akustische, sich gleichfalls räumlich ausbreitende Klangfolie den bedrohlichen Charakter der visuellen Erscheinung, die an eine Tsunamiwelle, einen Sturm oder andere Natur- bzw. Umweltkatastrophen erinnern mag, gleichsam abstrakt bleibt und einen Hauch von Nihilismus versprüht. Sukzessive optisch nachvollziehen lässt sich die virtuelle Simulation anschließend in 11 gerahmten Momentaufnahmen, die einzelne Augenblicke aus dessen Verlauf festhalten (A/Brutforce-11:11).
Ihr künstlerisches Interesse am spezifischem Materialverhalten und den technologischen Möglichkeiten, dieses zu manipulieren bzw. zu lenken, spiegelt auch die Tropfenskulptur. A/::: ist eine apparative Anordnung, die den BetrachterInnenblick auf ein physikalisches Phänomen legt, das die Gravitationskraft auszuhebeln scheint: Wie an einem unsichtbaren Band aufgefädelt schweben kleine Wassertropfen, die in ihrer Fragilität und ephemeren Existenz mit den sie oben und unten einrahmenden, statuarischen Balken kontrastieren. Erzeugt werden durch einen Generator zwei Ultraschallwellen in gleicher Frequenz und Amplitude, die gegeneinander laufen und somit eine stehende Welle bilden, an deren Knoten (ohne Auslenkung) die Wassertropfen ruhen. Durch eine Störung des Systems von außen, etwa einen Luftzug, kann es sein, dass einer der Tropfen buchstäblich aus der Reihe tanzt und auf die Platte fällt. Bereits in (vgl. Ausstellung Mise-en-Scène. Skulpturale Rhetorik, KWADRAT 2012) standen Formierung und flüchtige Lebensdauer von Wassertropfen im Zentrum, die in regelmäßigen Abständen auf eine heiße Aluminiumplatte tropften, dort eine tanzende Bewegung vollführten, bevor sie leise zischend verdampften.
Die steuernde, bildgenerierende Apparatur bildet dabei keine geschlossene Entität; das eigentliche Kunstwerk manifestiert sich erst in der Interaktion der einzelnen Akteure und mit den temporären Gegebenheiten des Umraums. Dauer ist eine relative Größe und basiert auf der Grundlage individueller Erfahrung, wie es in den Arbeiten von A/A auf sinnliche Weise erfahrbar wird.